Musik.

Ein unsichtbarer Begleiter ist sie uns geworden, omnipräsent im Alltag - vertreten und gespielt durch den Radiowecker, der uns morgens aus dem Bett musiziert, geknattert aus den schlechten Miniaturboxen von Vollidioten, die damit in der Bahn andere Fahrgäste belästigen, gedonnert aus der Anlage eines Rockkonzertes, gesäuselt aus den Lautsprechen eines Kaufhauses, geklimpert von den Saiten der Gitarre eines Straßenmusikers, gespielt auf den Tasten des heimischen Klavieres, gehört aus den Ohrhörer des MP3-Players auf dem Heimweg und in den eigenen vier Wänden aus der heimischen Anlage genossen.


Verkannt: Die kleinen Geräusche im Alltag.
(Originally uploaded by swallowtail.)

Wahrlich, man kann fast schon sagen, dass wir unser Leben in einem Überfluß von Musik verbringen. Ein Überfluß, der einem das Gehör für die feinen Klänge, Töne und Melodien nimmt, die uns im Alltag umgeben.

Da sind die von uns geschaffenen Maschinen, die Dinge bohren, sägen, fräsen, schneiden, schleifen und hämmern, die uns zur Arbeit bringen, uns Kaffee machen, den Boden umgraben und die Wohnung reinigen. Angenehme Töne? Hört man von ihnen oftmals genau nicht. Sie kreischen, singen, klopfen, hämmern, stampfen. Aber in einer lauten, vom Hämmern und Schreien der Maschinen geprägten Werkstatt sind es manchmal genau die Momente der Stille, die einem wie Musik vorkommen.


Da ist der Wind, der sich mal sanft, mal hart an Bäume, Felsen und Häuser schmiegt und dabei manchmal leise stöhnt, manchmal heiser schreit und wütet und manchmal mit einer unmenschlichen Kraft brüllt, Bäume biegt, den Häusern die Ziegel von den Dächen stiehlt und mit einer Orchesterbegleitung von prasselndem Regen, Blitz und Donner nicht nur akustisch ein beeindruckendes Schauspiel bietet.

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Der aufziehende Sturm bereitet sich auf seinen großen Auftritt vor.
(Originally uploaded by movie_punk.)

Da ist das Meer, das die angrenzenden Strände mal sanft mit einem leisen Seufzen in den Wellen umarmt und mal brüllend über das angrenzende Land herfällt. Das Rauschen des Wassers, wenn sich die Wellen am Strand brechen, das leise Knistern des Sandes und der pfeifende Wind, der über Bäume und Gräser nahe des Strandes streicht, all das findet sich zusammen zu einer Melodie, die einen Teil der Anziehungskraft ausmacht, die die Meere dieser Welt schon seit Urzeiten auf die Menschen ausüben.

In der Stadt Zadar (Kroatien) hat sich zu dieser Musik des Meeres jetzt noch eine weitere Melodie dazugesellt: Dort wurde 2005 im nördlichen Teil der Altstadt nämlich eine Meeresorgel konstruiert.

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Die Stufen der Meeresorgel.
(Für größere Ansicht auf die Bilder klicken.)

Die hastigen Reparaturen der Verwüstungen, die der zweite Weltkrieg in Zadar hinterlassen hatte, machten aus weiten Teile der Felsenküste langweilige, einheitliche Betonmauern. Der Steinmetz und Architekt Nikola Bašić gab der Uferstraße von Zadar mit der Seeorgel einen Teil ihres alten Charmes zurück (wofür er 2006 mit dem “European Prize for Urban Public Space” ausgezeichnet wurde).

Am Ufer dieser Strandpromenade befindet sich eine 70 Meter lange Treppe, unter deren schlichten, eleganten Stufen sich 35 Rohre befinden, die in 35 Pfeifenöffnungen auf dem Gehweg oberhalb der Treppe münden. Die Bewegungen des Meeres pressen Luft in die Röhren - und man kann, je nach Geschwindigkeit der Wellen und Größe der Pfeifen, einen Akkord hören. Die dadurch erzeugten Töne klingen zwar etwas durcheinander, aber doch harmonisch - und erinnern ein wenig an das Singen und Heulen von Walen. Das Ganze klingt in etwa so:

Zum Abspielen auf den Pfeil klicken.

Die Luftlöcher in der Treppe saugen Luft an, die dann beim Reinbrechen der nächsten Welle wieder durch die Pfeifen gedrückt wird. Der Musikant ist hier das Meer und gespielt wird eine mal leiser, mal lauter erklingende, jedoch nie endende Melodie. An den Treppenstufen gibt es insgesamt sieben Akkordsektionen mit jeweils fünf zusammengehörenden Pfeifen. Je nachdem, wo man steht -oder sitzt- kann man zwischen fünf und sieben Pfeifen im Akkord spielen hören.

Die Bewohner von Zadar sind zu Recht stolz auf ihre Seeorgel - die musizierenden Stufen zwischen Meer und der Strandpromenade scheinen sich nie zu leeren, fast immer trifft man auf Leute, die aufs Meer hinausblicken und den Tönen der Meeresorgel lauschen.

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Schemazeichnung der Pfeifen und Akkorde. Zum Vergrößern bitte Anklicken.

Ich selbst war im Sommer 2003 das erste und leider auch letzte Mal in Kroatien und habe in Zadar etwa eine Woche verbracht. Die Stadt ist an sich schon wunderschön und die Tatsache, dass dort eine so faszinierende … Sehens- und “Hörenswürdigkeit” auf sich wartet, macht mir nur noch mehr Lust, dieser faszinierenden Stadt einen weiteren Besuch zu widmen.


Für die, die sich noch etwas ausführlicher über die Meeresorgel in Zadar informieren möchten, habe ich ein paar Informationen zusammengetragen.

Standort

Die Meeresorgel befindet sich in der Meeresstadt Zadar im Süden von Kroatien. Die Orgel befindet sich ungefähr an den Längen- und Breitengraden 44° 7′1.45″N, 15°13′11.04″E. Bei Eingabe dieser Koordinaten in Google Earth kommt man direkt zu den Aufnahmen vom Küstenteil und der Strandpromenade, an der sich die Orgel befindet.

Alternativ könnt ihr natürlich auch direkt im Satellitenmodus bei Google Maps nachgucken.

Weblinks

Einen Großteil der Informationen in diesem Artikel habe ich folgender Website entnommen:
- The Sea Organ (The Oddmusic Gallery)

Durch folgende Website bin ich überhaupt erst auf das Thema gestoßen:
- sea organ (militantplatypus)

Auf der Fotosharing Website flickr.com gibt es einen Pool mit Bildern der Seeorgel:
- “Sea organ / Morske orgulje” Pool bei flickr

In der Wikipedia finden sich drei Artikel zu der Seeorgel in Zadar:
- Sea organ (englisch)
- Морске оргуље (serbisch)
- Morske orgulje (kroatisch)

Und wir wollen zu guter Letzt natürlich nicht die offizielle Website vergessen:
- sea organs zadar

May 18th, 2007 at 7:25 pm